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Redaktion:
Prof. Dr. A. SCHARL, Amberg
Für den Inhalt verantwortlich:
Prof. Dr. A. SCHARL, Amberg
Dr. W. SIEBERT, Eggenfelden
Inhalt:
Urocell Zelltherapie der Harninkontinenz
Sicherheit von Tibolon beim Mammakarzinom
Arzneimittelkurzbewertung
aktuell
Carbetocin
(Pabal)
Prognosebeurteilung mittels Genchip beim Mammakarzinom
Neues Screeningprogramm in der Frühschwangerschaft
Pille ohne Pause
Dexrazoxan bei anthrazyklininduzierter Kardiotoxizität
Abstract
aktuell
Louik
C, et al. Anwendung selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer im ersten
Schwangerschaftsdrittel und das Risiko von angeborenen Defekten.
N Engl J Med 2007; 56: 2675-2683
Abstract
aktuell
Alwan
S, et al. Anwendung selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer in der Schwangerschaft
und das Risiko von angeborenen Defekten.
N Engl J Med 2007; 356: 2684-2692
Urocell
Zelltherapie der Harninkontinenz
Prof.
Dr. E. Petri
Frauenklinik,
HELIOS Kliniken Schwerin
In der Broschüre »Blasenschwäche - mit Zelltherapie zum
Erfolg!« der Firma Urocell aus Innsbruck steht geschrieben. »Mit
Hilfe der neuartigen Zelltherapie urocell können Defekte behoben
und die ursprüngliche Funktion des Muskels wiederhergestellt werden.
Urocell eignet sich zur Behandlung der Blaseninkontinenz sowohl
bei Frauen als auch bei Männern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über
Ihre Blasenschwäche und über die Möglichkeiten, sich wieder
sicher zu fühlen«.
»Tissue
engineering« ist in vielen medizinischen Fachgebieten das Zauberwort
der letzten Jahre. Ursprünglich wurden embryonale Stammzellen eingesetzt,
mittlerweile werden aufgrund ethischer und juristischer Implikationen
adulte Stammzellen aus Knochenmark, quergestreifter Muskulatur, Fettgewebe,
Haut, synovialen Membranen, Hodengewebe und Fruchtwasser verwendet.
In PubMed finden sich
347 zwischen Januar 2004 und Juni 2007 veröffentlichte Arbeiten zu
Stammzell-Therapien und Tissue Engineering im Bereich der ableitenden
Harnwege mit ansteigender Tendenz. Ein Drittel dieser Publikationen sind
allerdings Übersichtsarbeiten (1).
Die spezielle Anwendung
von autologen Muskel- und Bindegewebszellen zur Behandlung der Harninkontinenz
wird fast ausschließlich von der Innsbrucker Arbeitsgruppe um Strasser
propagiert und publiziert, die dortigen Erfolge konnten von anderen Arbeitsgruppen
bisher nicht reproduziert werden.
2004 veröffentlichten Strasser et al. die Ergebnisse von 42 Patienten,
die mit einem Gemisch von Myoblasten und Kollagen mit einem Erfolg von
83% behandelt wurden (2). Bis 2005 hat die gleiche Arbeitsgruppe 184 Patienten
mit einer Stressinkontinenz mit 79,4% erfolgreich behandelt, wobei wiederum
kultivierte Myoblasten in den Rhabdosphinkter und Kollagen submukös
injiziert wurden (3). Auf der Homepage der Firma Innovacell wird für
die Innsbrucker Gruppe eine Erfahrung mit > 450 Patienten angegeben.
Ebenfalls 2007 wurden
die Ergebnisse der Gruppe um Lee veröffentlicht, welche Stammzellen
aus Nabelschnurblut bei 32 Frauen einsetzten, wobei bei 83% eine Verbesserung
der Symptomatik um 50% gesehen wurde (5).
Die Forschung findet
sich noch in einer frühen Phase der Entwicklung, die Interpretation
der bisher relativ guten Ergebnisse reicht »ketzerisch« vom
einfachen Kompressionseffekt (vgl. »bulking agents«
Diskussion beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie
in Berlin 2007) bis zu komplexen Theorien der Wirkung von anti-apoptotischen
Proteinen, axonaler Regeneration von Nerven, Selbsterneuerung der Zellen
mit multipotenter Differenzierung, Freisetzung von Wachstumsfaktoren mit
Freisetzung von autokrinen und parakrinen Mechanismen und völliger
Regeneration von Muskulatur und Bindegewebe (6, 7).
Strasser et al. konnten
die Erfahrung mit 63 Patienten 2007 immerhin im Lancet platzieren, wobei
die Autoren selbst auf die dringende Notwendigkeit von Verlaufskontrollen
und multizentrischen Studien hingewiesen haben (8). Die labortechnische
Selektion von Zellen sowie die Kultivierung und Aufbereitung bedeuten
einen extrem hohen Aufwand. Es mussten spezielle intraurethrale Schallköpfe
zur Applikation des Zellgemisches entwickelt werden, sodass die extrem
hohen Kosten für die Behandlung wohl verständlich sind, die
Kosten von den Krankenkassen aber nicht übernommen werden.
Beurteilung:
Die jüngste
Diskussion um die Verwendung von Stammzellen wirft ethisch-juristische
Fragen auf und verlangt nach klaren Festlegungen.
Der Datenstand
ist gering und auf wenige Arbeitsgruppen beschränkt, sodass von einem
experimentellen Ansatz ausgegangen werden muss.
Die Behandlung
sollte ausschließlich in streng kontrollierten Studien erfolgen,
wobei auf eine Multizentrizität geachtet werden sollte. Novara und
Artibani (9) haben auf eine Bias in Hinblick auf Patientenselektion und
Statistik der bisherigen Studien hingewiesen.
Der therapeutische
Ansatz erscheint erfolgversprechend, wobei ökonomische Aspekte sicher
für die Akzeptanz mitentscheidend sein dürften (»minimal-invasiv
- maximal-exklusiv !«).
Keinesfalls
ist eine breite Bewerbung der Technik durch Urocell und andere
Firmen zum jetzigen Zeitpunkt gerechtfertigt, da (unabhängig von
den Kosten) mittelfristige Verlaufskontrollen und Erfahrungen zu Komplikationen
noch völlig fehlen.
Literatur
1. Sievert KD, B Amend, A Stenzl. Tissue engineering for the lower
urinary tract: a review of a state of the art approach. Europ Urol 2007;
52: 1580-1589.
2. Strasser H, et al. Stem cell therapy for urinary incontinence
. Urologe A 2004; 43:1237-1241.
3. Strasser H, et al. Transurethral ultrasound guided injection
of autologous muscle derived stem cells and fibroblasts: long-tem results.
J Urol Suppl 2007; 177: 555 [abstract].
4. URL: www.innovacell.at/en/address.php
5. Lee JN, et al. Early phase I/II clinical trial results for human
cord blood stem cells injection therapy for stress urinary incontinence.
J Urol Suppl 2007; 177: 554 [abstract].
6. Albers P. Tissue engineering and reconstructive surgery in urology.
Europ Urol 2007; 52: 1579 [abstract].
7. Furuta A, et al. State of the art of where we are at using stem
cells for stress urinary incontinence. Neurourol Urodyn 2007; 26: 966-971.
8. Strasser H, et al. Autologous myoblasts and fibroblast versus
collagen for treatment of stress urinary incontinence in women: a randomised
controlled trial. Lancet 2007; 369: 2179-2186.
9. Novara G, W Artibani. Myoblasts and fibroblasts in stress urinary
incontinence. Lancet 2007; 369: 2139-2140.
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Sicherheit von Tibolon
beim Mammakarzinom
Dr.
S. Hottner und Prof. Dr. O. Ortmann
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Caritas-Krankenhaus St. Josef, Regensburg
Patientinnen mit einem primären
Mammakarzinom leiden nicht selten unter den Nebenwirkungen ihrer Therapie.
Hierbei sind vor allem Langzeitnebenwirkungen des Östrogenentzugs
von Bedeutung. Diese postmenopausalen Probleme können sich durch
unterschiedliche Signale, wie vasomotorische Symptome, vor allem Hitzewallungen,
Schlafstörungen, psychologische Effekte, urogenitale Atrophie mit
Trockenheit der Scheide und Dyspareunie bis hin zur Begünstigung
einer Osteoporose, äußern (1).
Seit 1999 ist
das synthetische Steroidhormon Tibolon (Liviella) in Deutschland
zur Behandlung von klimakterischen Beschwerden zugelassen. Die Wirksamkeit
von Tibolon auf vasomotorische Symptome entspricht der konventionellen
Hormontherapie mit Östrogenen und Gestagenen (2). Zusätzlich
zeigt sich ein positiver Effekt auf die urogenitale Atrophie und auf den
Knochenstoffwechsel (1, 3). Bezüglich der Verbesserung von depressiven
Stimmungslagen und Libido scheint Tibolon der Hormontherapie sogar überlegen
(4).
Mastodynien treten unter Therapie mit Tibolon deutlich seltener auf; die
mammographische Dichte bleibt unbeeinflusst (5). Ursächlich für
diese positiven Eigenschaften von Tibolon ist seine Gewebeselektivität,
die durch die entsprechende Synthese und Wirkung seiner Metaboliten erreicht
wird. Aus diesem Grunde wird Tibolon auch als »Selective Tissue
Estrogenic Activity Regulator« (STEAR) bezeichnet (2, 6).
So ist Tibolon im Mammagewebe in der Lage, die lokale Östrogenbiosynthese
durch Hemmung der Östronsulfatase- sowie der 17ß-Hydroxysteroiddehydrogenase-Aktivität
zu inhibieren (2, 6, 7). In präklinischen Studien konnte das Wachstum
von Brustkrebszellen gehemmt werden, während gleichzeitig die Apoptose
gefördert wurde (8, 9). Zudem wurde in vitro bei Brustkrebszellen
sowohl durch Tibolon als auch durch seinen ß-Metaboliten ein anti-invasiver
Effekt beobachtet (10).
Bezüglich der Wirksamkeit von Tibolon nach Mammakarzinom konnte in
der ADAGIO-Studie bei prämenopausalen Frauen unter einer kombinierten
Exemestan- und Goserelin-Adjuvanz-Therapie eine signifikante Verbesserung
einer Reihe der durch die Therapie induzierten klimakterischen Beschwerden
erreicht werden (11).
Bei der ADAGIO-Studie handelte es sich um eine offene, randomisierte,
multizentrische Studie, in die 48 prämenopausale Patientinnen im
Alter von 35-55 Jahren mit histologisch gesichertem, rezeptorpositivem
Mammakarzinom mit niedrigem Risiko aufgenommen wurden. Randomisiert wurde
in 4 Therapiearme: Goserelin 3,6 mg Depot s.c. alle 28 Tage; Goserelin
+ Exemestan 25 mg oral; Goserelin + Tibolon 2,5 mg oral täglich sowie
Goserelin s.c. + Exemestan oral + Tibolon oral. Signifikante Differenzen
hinsichtlich unerwünschter Nebenwirkungen waren hier im Vergleich
aller Therapiearme nicht zu identifizieren.
In kleineren Untersuchungen zur Sicherheit von Tibolon nach Mammakarzinom
ergab sich für die Tibolongruppe kein erhöhtes Risiko für
das Auftreten eines Rezidivs. So konnten Dimitrakakis et al. bei 156 Patientinnen,
die nach 5-jähriger Tamoxifentherapie mit Tibolon versus Plazebo
behandelt wurden, keinen Unterschied in der Rezidivrate der Tibolongruppe
und bei den Kontrollen beobachten (12).
Da jedoch große klinische Studien zur Sicherheit der Anwendung von
Tibolon nach Mammakarzinom bezüglich des Auftretens von Rezidiven
oder Metastasen fehlten, wurde die LIBERATE-Studie initiiert (Livial intervention
following breast cancer, efficacy, recurrence and tolerability endpoints).
Hierbei handelt es sich um eine internationale, multizentrische, randomisierte
Studie, in der geprüft werden sollte, ob die Therapie mit Tibolon
für Patientinnen mit Mammakarzinomanamnese sicher ist. Es handelte
sich um Patientinnen mit Wechseljahrbeschwerden, die in einem Zeitraum
von maximal 5 Jahren vor Studieneinschluss an einem Mammakarzinom erkrankt
waren. Sie wurden entweder 5 Jahre mit Tibolon (2,5mg) oder einem Plazebo
behandelt. Weltweit wurden von 2002 bis 2005 3148 Patientinnen eingeschlossen,
wobei 319 davon in Deutschland rekrutiert wurden (1).
Im Mai 2007 wurde diese Studie vorzeitig abgebrochen. Als Begründung
wurde angegeben, dass in der Tibolongruppe im Vergleich zu Plazebo tendenziell
höhere Rezidivraten registriert wurden. Diese Abweichungen waren
nicht signifikant. Trotzdem wurde es vom Data Safety Monitoring Board
(DSMB) als unwahrscheinlich angesehen, dass die Kriterien für eine
Nicht-Unterlegenheit von Tibolon gegenüber dem Plazebo noch erreicht
werden könnten - somit wurde die Studie als nicht mehr zielführend
erachtet (Data Safety Commitee, Mai 2007).
Unter Berücksichtigung der vorzeitigen Beendigung der LIBERATE-Studie
ist die Therapie von klimakterischen Beschwerden nach Mammakarzinom mit
Tibolon nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Bei Anwendung von Tibolon
muss die Patientin über ein möglicherweise erhöhtes Rezidivrisiko
durch die Behandlung aufgeklärt werden. Eine Therapie sollte hier
ebenfalls nur nach strengster Indikationsstellung erfolgen.
Die Auswertung der Daten aus der LIBERATE-Studie dauert zum gegenwärtigen
Zeitpunkt noch an, ein Ergebnis wird aber in Kürze erwartet. Erst
dann werden Aussagen zur Sicherheit von Tibolon nach Mammakarzinom sowie
zur Anwendung in diesem Off-label-Bereich möglich sein.
Literatur
1. Ortmann, O. et al. Das klimakterische Syndrom der Patientin
mit Mammakarzinom: Risiken und Nutzen der Behandlungsoptionen, Geburth
Frauenheilkd 2007; 67:R53 - R72.
2. Reed MJ, Kloosterboer HJ. Tibolone: a selective tissue estrogenic
activity regulator (STEAR). Maturitas 2004; 48 (Suppl 1): 4-6.
3. Swanson SG, et al. Tibolone for the treatment of moderate to
severe vasomotor symptoms and genital atrophy in postmenopausal women:
a multicenter, randomised double-blind, placebo-controlled study. Menopause
2006; 13: 917-925.
4. Egarter C, et al. Tibolone versus conjugated estrogens and sequential
progestogen in the treatment of climacteric complaints. Maturitas 1996;
23: 55-62.
5. Thurfjell E. Breast density and the risk of breast cancer. New
Engl J Med 2002; 347: 866.
6. Ortmann O. Metabolismus und Gewebespezifität von Tibolon.
Geburtsh Frauenheilkd 2002, 62: 910-913.
7. Egarter C. Hormonal treatment of postmenopausal patients with
tibolone. Geburtsh Frauenheilkd 1999; 59: 282-288.
8. Valdivia I, et al. Effects of tibolone and continuous combined
HRT regimen on mammographic breast densitiy and breast histochemical markers
in postmenopausal women. Fertil Steril 2004; 81: 617-623.
9. Conner P, Christow A, Kersemaekers W. A comparative study of
breast cell proliferation during hormone replacement therapy: effect of
tibolon and continuous combined estrogen-progesterone treatment. Climacteric
2004; 7: 50-58.
10. Vanhoecke
BW, et al. Tibolone and its metabolites inhibit invasion of human mammary
carcinoma cells in vitro. Maturitas 2006; 54: 229-237.
11. Pollow K,
et al. Phase-II-Studie zur kombinierten Exemestan- und Goserelin-Adjuvanz-Therapie
mit und ohne Tibolon bei prämenopausalen Frauen mit rezeptorpositivem
und nodal-negativem Mammakarzinom: ADAGIO-Studie. Geburtsh Frauenheilkd
2005; 65: 612-619.
12. Dimitrakakis
D, et al. Clinical effects of tibolone in postmenopausal women after 5
years of tamoxifen therapy for breast cancer. Climacteric 2005; 8: 342-351.
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Arzneimittelkurzbewertung
aktuell
Carbetocin
(Pabal)
Prof.
Dr. E. Schleußner
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Universitätsklinikum Jena
Seit
Anfang Dezember 2006 ist neben Oxytocin mit Carbetocin ein weiteres Medikament
zur Vorbeugung einer Uterusatonie in Deutschland zugelassen; die Wirkstärke
soll etwa 50fach stärker sein als die von Oxytocin.
Der 1987 erstmals beschriebene langwirkende Oxytocinrezeptor-Agonist (1)
löst innerhalb von 2 Minuten nach intravenöser Gabe eine rund
6 Minuten dauernde Kontraktion aus, der dann über eine weitere Stunde
rhythmische Kontraktionen folgen. Wird Carbetocin intramuskulär verabreicht,
halten die Dauerkontraktion bis 11 Minuten und die nachfolgenden rhythmischen
Kontraktionen bis zu 2 Stunden an (2).
Pabal ist zur einmaligen intravenösen Anwendung in der Dosierung
von 100 µg Carbetocin ausschließlich nach einem Kaiserschnitt
unter epiduraler oder spinaler Anästhesie zugelassen und darf nicht
während der Geburt oder zur Wehenauslösung eingesetzt werden.
In den Anwendungshinweisen wird eine Kombination mit Prostaglandinen nicht
empfohlen und darauf aufmerksam gemacht, dass die Wirkung nach vaginaler
Geburt nicht untersucht ist.
In der Literatur finden sich 10 Publikationen zum klinischen Einsatz von
Carbetocin. Vier randomisierte Studien mit 1037 Patientinnen, 3 davon
zum Einsatz von Cabertocin nach Sectio und eine nach vaginaler Geburt,
wurden 2007 in eine Cochrane-Metaanalyse einbezogen (3).
Eine einmalige Carbetocingabe wirkte zur Minderung des Risikos für
eine schwere postpartale Blutung gleich wie gut wie eine Dauerinfusion
mit 20 IE Oxytocin nach Sectio und nach vaginaler Entbindung. In den Sectio-Studien
mussten nach Carbetocin signifikant seltener zusätzliche uteruskontrahierende
Medikamente verabreicht werden (RR 0,44 [95%-CI 0,25 - 0,78]), während
dies nach vaginaler Entbindung nicht beobachtet werden konnte.
In einer Studie hatte die intramuskuläre Anwendung signifikant weniger
Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, hypertone Blutdruckwerte) zur
Folge als Oxytocin (4). In der Metaanalyse aller Studien finden sich jedoch
keine statistischen Unterschiede hinsichtlich unerwünschter Arzneimittelnebenwirkungen.
Die Therapiekosten liegen mit 34,40 € deutlich über den Kosten,
die für meine Klinik mit 19,30 € für eine Bolusgabe von
3 IE Oxytocin + 0,2 mg Methergin i.v. intraoperativ und nachfolgender
Dauerinfusion von 21 IE Oxytocin in 500 ml Infusionslösung kalkuliert
wurden.
Zusammenfassend scheint Carbetocin in seiner Effektivität und den
Nebenwirkungen dem Einsatz von Oxytocin gleichwertig, aber wohl nicht
überlegen zu sein. Ob der klinisch interessante Einsatz von Carbetocin
bei Versagen von Oxytocin oder Prostaglandin Vorteile bringt, ist bisher
nicht in Studien geprüft und durch die Zulassung nicht gedeckt.
Literatur
1. Atke A, Vilhardt H. Uterotonic activity and myometrial receptor
affinity of 1-deamino-1-carba-2-tyrosine(O-methyl)-oxytocin. Acta Endocrinol
(Copenh) 1987;115: 155-160.
2. Hunter DJ, Schulz P, Wassenaar W. Effect of carbetocin, a long-acting
oxytocin analog on the postpartum uterus. Clin Pharmacol Ther 1992; 52:
60-67.
3. Su LL, Chong YS, Samuel M. Oxytocin agonists for preventing
postpartum haemorrhage. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007 Issue
4, DOI: 10.1002/14651858.CD005457.pub2
4. Leung SW, et al. A randomised trial of carbetocin versus syntometrine
in the management of the third stage of labour. BJOG 2006;113: 1459-1464.
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Prognosebeurteilung
mittels Genchip beim Mammakarzinom
Priv.-Doz.
Dr. G. Sauer
Universitäts-Frauenklinik, Ulm
Frage
Ist eine Prognosebeurteilung mittels Genchip (z.B. Oncotype DX)
beim Mammakarzinom bereits empfehlenswert?
Antwort
Grundsätzliches
Die Chemotherapie ist ein integraler Bestandteil in der Systemtherapie
des frühen Mammakarzinoms. Nachdem jedoch der Großteil der
Mammakarzinome östrogenrezeptor- positiv sowie nodal-negativ ist
und daher potenziell schlechter auf eine Chemotherapie anspricht, ist
die Identifizierung der Patientinnen, die von einer solchen Therapie profitieren,
von besonderem Interesse. Die zunehmende Einsicht in molekularbiologische
Zusammenhänge in der Tumorbiologie und die Identifikation der dafür
verantwortlichen Prozesse hat das Interesse an Genexpressionsanalysen
geweckt.
Mithilfe verschiedener
methodischer Ansätze ist es möglich, entweder auf cDNS, mRNS
oder Proteinebene die Expression einer Vielzahl unterschiedlicher Gene
zu bestimmen. Diese Analysen erlauben die Erstellung bestimmter Genexpressionsmuster,
die es möglich machen, prognostische Aussagen zu treffen.
Im Wesentlichen sind
auf dem Markt 2 Testsysteme verfügbar: Oncotype DX, welcher
es ermöglicht, selbst aus Paraffinblöcken über eine RT
PCR die entsprechenden Gene nachzuweisen (16 Gene plus 5 Referenzgene)
und MammaPrint, der über eine Signatur aus 70 Genen (Analyse
erfolgt aus Frischgewebe) ermöglicht, die Prognose korrekt einzuschätzen.
Grundsätzlich ist
anzumerken, dass die Ergebnisse bei Oncotype DX lediglich auf retrospektiv
erhobenen Daten beruhen und die Validierung durch eine prospektiv angelegte,
randomisierte Phase-III-Studie benötigt wird. Diese Validierung ist
mit der TAILORx-Studie geplant. Weiterhin zeigt sich das Problem der minderen
Probenqualität aus alten Paraffinblöcken. Nicht nur das Alter
der Proben, sondern auch die Labilität von RNS macht diese Technik
anfällig. Ob der RNS-Gehalt die tatsächliche Genexpression auf
Proteinebene und somit die Funktionalität eines Parameters widerspiegelt,
ist weiterhin fraglich. Obwohl dieser Test von der FDA bereits in den
USA zugelassen ist, wird die derzeitige Nutzung von den hiesigen Fachgesellschaften
für den täglichen klinischen Gebrauch nicht empfohlen. Dagegen
wurde der »Amsterdam-Chip«, MammaPrint, nach anfänglichen
Diskussionen weiter untersucht und nun im Rahmen der MINDACT-Studie prospektiv
validiert (erste Ergebnisse werden für das Jahr 2010 erwartet). Bis
die Ergebnisse dieser Studien vorliegen, können die oben genannten
Gen-Tests generell nicht empfohlen werden.
Konsequenzen
für die weitere Therapie
Nachdem keines dieser Testverfahren außerhalb von Studien eingesetzt
werden sollte, ist es schwer, eine medizinisch korrekte Empfehlung auszusprechen.
Sollte man sich dennoch in einer Situation befinden, in der man sich unsicher
ist, ob eine Chemotherapie zu empfehlen ist, bietet sich die Möglichkeit
an, über Adjuvant Online den potenziellen Benefit aus einer
zusätzlichen Therapie zu ermitteln. In Ausnahmefällen und nur
nach eingehender Aufklärung der Patientin kann diese Beratung auch
anhand des durch die oben genannten Testverfahren ermittelten Rezidivrisikos
durchgeführt werden.
Durchführbarkeit
Für MammaPrint wird Tumorfrischgewebe benötigt, für
Oncotype DX wird in Paraffin eingebettetes Gewebe genutzt. Somit
ergibt sich die Möglichkeit, über Oncotype DX auch nachträglich
das Risiko zu ermitteln, selbst wenn initial kein Frischgewebe eingefroren
wurde.
Was kostet der Test und bezahlen ihn die Kassen?
Die Testverfahren werden nicht von den Kassen bezahlt. Für die Risikoeinschätzung
mit MammaPrint müssen von der Patientin etwa 900 €, für
die mit Oncotype DX ca. 2040 € aufgewendet werden.
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Neues Screeningprogramm
in der Frühschwangerschaft
Prof.
Dr. U. Gembruch
Geburtshilfe und Pränatale Medizin
Perinatalzentrum,
Universitätsklinikum Bonn,
für die Sektion Gynäkologie und Geburtshilfe der DEGUM
Frage
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
empfiehlt ein neues Screeningprogramm für Frauen in der 11.-14. SSW.
Was ist neu an diesem Programm? Kann es nur von DEGUM-Spezialisten durchgeführt
werden und welche Ausbildung (DEGUM-Zertifikat) müssen diese haben?
Sollen alle Frauen in der 11.-14. SSW zu diesem Screening überwiesen
werden? Was kostet das Programm und werden die Kosten von den Krankenkassen
übernommen?
Antwort
Die DEGUM empfiehlt
grundsätzlich ein Screening entsprechend den Mutterschaftsrichtlinien,
d.h. eine Ultraschalluntersuchung um die 10./20. und 30. SSW post menstruationem
herum.
Bei entsprechenden
Risiken und auffälligen Befunden sollte eine spezielle »differenzierte
Organdiagnostik« bei Ärzten mit entsprechender Erfahrung durchgeführt
werden (DEGUM-Stufe II- oder III-Qualifikation).
In den Diskussionen der letzten Jahre geht es vor allem darum:
Sollte allen
schwangeren Frauen optional eine differenzierte Organdiagnostik um die
20. SSW herum angeboten werden, die dann auch von der gesetzlichen Krankenversicherung
übernommen würde? Hiervon würden die vielen Low-risk-Patientinnen
profitieren, bei denen die Mehrzahl der Fehlbildungen auftreten (nur ein
kleiner Teil der Fehlbildungen des Feten treten bei Schwangeren mit anamnestischen
Risiken auf). Bei einer qualitativ hochwertigen Organdiagnostik könnten
sicher 70% der Fehlbildungen um die 20. SSW herum entdeckt werden.
Das sog. Ersttrimesterscreening (maternales Alter plus Nackentransparenz
plus Beta-HCG und PAPP-A) wird in Deutschland mittlerweile von sehr vielen
Ärzten bei ihren Patientinnen durchgeführt bzw. als IGeL-Leistung
angeboten (mehr als 3000 Frauenärzte sind hierfür durch Zertifikationen
»qualifiziert«). Bei einzelnen Patientinnen, z.
B. als Ersatz für eine indizierte Amniozentese (maternales Alter
> 35 Jahre), wird diese Ultraschalluntersuchung auch über Krankenschein
abgerechnet (die Hormonbestimmungen allerdings nicht).
Leider sind die wenigen zur Verfügung stehenden Ergebnisse aus Deutschland
nicht so gut, dass sie sich mit den Studien anderer europäischer
und nicht-europäischer Länder messen können. Dies liegt
sicherlich daran, dass in Deutschland im Gegensatz zu den meisten anderen
Ländern unzählige Frauenärzte diese Untersuchung durchführen
bzw. durch Zertifizierungen dafür »qualifiziert« wurden.
Ähnlich wie die »FMF England« fordern sowohl die DEGUM
als auch die »FMF Deutschland«, dass diese Untersuchungen
nur durch erfahrene und qualifizierte Frauenärzte durchgeführt
werden.
Eine Ersttrimesteruntersuchung sollte kein ausschließliches »Hunting«
nach Trisomie 21 des Feten sein, sondern eine umfassende Fehlbildungsdiagnostik
einschließen. Hierzu hatte die DEGUM schon vor einigen Jahren entsprechende
Empfehlungen abgegeben und publiziert, die über die Internetseite
der DEGUM (Sektion Gynäkologie und Geburtshilfe) eingesehen werden
können.
Zusätzlich ist in Deutschland ein weiteres Problem entstanden: der
englische Algorithmus zur Risikoevaluation wurde der FMF Deutschland am
31.12. 2006 aufgrund der Qualitäts- und Auditmängel durch Professor
Nicolaides entzogen, woraufhin die FMF Deutschland am 1.1.2007 einen eigenen
Algorithmus präsentierte. Dieser Algorithmus ist aber bisher nicht
prospektiv evaluiert. Eine prospektive Studie der FMF Deutschland hat
bereits begonnen.
Es kann daher auch keine Empfehlung der DEGUM für den allgemeinen
Gebrauch des deutschen Algorithmus geben, solange dieser nicht durch eine
prospektive Studie evaluiert und in einer internationalen peer-reviewed
Zeitschrift publiziert worden ist.
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Pille ohne Pause
Prof.
Dr. H. P. Zahradnik und
Dr. Aida Hanjalic-Beck
Klinik für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin,
Universitäts-Frauenklinik Hamburg
Frage
Lybrel oder Anya die neue Langzeitpille: Was ist
neu? Wie sicher ist sie? Welche Risiken sind mit der Einnahme verbunden?
Antwort
Die ersten Versuche mit hormonalen Kontrazeptiva wurden nur mit
Gestagenen allein durchgeführt. Blutungsstörungen waren bei
den teilnehmenden Frauen (vor allem in Mexiko) mit einer inakzeptablen
Compliance verbunden. Nachdem man mit Östrogenen einen natürlichen
Zyklus nachahmte, wurde die hormonale Kontrazeption besser akzeptiert,
die Compliance gut und die kontrazeptive Sicherheit so wie wir sie auch
heute noch kennen. Dies war der Stand in den 1970er- bis 1990er- Jahren.
Kleinere Studien (vor
allem auch bei uns) haben wiederholt gezeigt, dass eine Verlängerung
der Pilleneinnahme oder eine Verkürzung der Pause nach jedem Einnahmezyklus
die Effektivität, die Sicherheit, die Nebenwirkungsrate und die gewünschten
zusätzlichen Effekte einer Pille keineswegs ungünstig beeinflussten,
sondern eher noch verbesserten. Langzeitkontrazeptiva, die auf einem lokalen
kontrazeptiven Prinzip beruhen und häufig mit einer Amenorrhö
oder zumindest mit sehr viel selteneren und schwachen Blutungen verbunden
waren (z.B. Levonorgestrel [LNG]-IUS), setzten sich durch, da hervorragend
akzeptiert (1).
Dass das Dogma der psychisch und physisch notwendigen monatlichen Blutung
zumindest bei sog. westlichen Frauen aus den Industrieländern derzeit
nicht mehr besteht, wurde Ende der 1990er-Jahre auch wissenschaftlich
gut belegt. Ob spontan oder unter Hormonbehandlung, die meisten Frauen
hätten lieber keine Blutungen oder zumindest seltener als jeden Monat
(2).
Die Dauerbehandlung mit einem oralen hormonalen Kontrazeptivum wurde sehr
gut akzeptiert, und die Frauen empfanden, dass dieses Schema die Lebensqualität
signifikant verbessern würde (3). Allerdings hat die regelmäßige
monatliche Blutung in bestimmten Ländern (z.B. in Afrika und in Südamerika)
einen herausragenden Stellenwert. Im Rest der Welt dagegen nicht, sodass
mit Ausnahme in China überall ein Kontrazeptivum bevorzugt würde,
das nur alle 3 Monate eine Blutung provoziert oder sogar mit einer sekundären
Amenorrhö verbunden wäre (4).
Der Markt, vor allem in den USA für die Zulassung von »Seasonale«
(3-Monatspille à 150 µg LNG + 30 µg Ethinylestradiol
[EE], entsprechend Microgynon) war vorbereitet. Über seine Effektivität,
Sicherheit und Akzeptanz wurde berichtet (5).
Folgerichtig hat man auch eine Jahrespille mit 90 µg LNG + 20 µg
EE untersucht (6), als Lybrel im Mai 2007 von der amerikanischen
Behörde FDA zugelassen und im Juli 2007 in USA auf den Markt gebracht.
In Europa soll das Präparat Anya heißen.
Erwartungsgemäß ist die kontrazeptive Effektivität sehr
gut, entsprechend dem Pearl-Index, den man von modernen Pillen gewohnt
ist. Gute Akzeptanz wird betont und der Zusatznutzen bei bestimmten zyklusabhängigen
Besonderheiten unterstrichen. Die Amenorrhörate betrug aber auch
nach 13 Zyklen nur 59%, Spottings und Durchbruchsblutungen traten in 20%
bzw. 21%, im Verlauf der Untersuchungen eher zunehmend, auf.
Ob diese 2 Werte, die deutlich höher liegen als bei den derzeitigen
Pillen nicht doch die Compliance negativ beeinflussen werden, müssen
weitere Nachzulassungs- und Beobachtungsstudien zeigen. Diese Studien
sind dann auch in der Lage, die tatsächlichen Sicherheitsdaten zu
liefern, besonders zum Thromboembolierisiko. Für dieses Risiko hat
die FDA die Datenlage als ausreichend eingestuft, die Blutungsstörungen
hat diese Behörde aber sehr kritisch kommentiert (7).
Zusammenfassung
Lybrel (USA) bzw. Anya (Europa) ist eine weitere niedrig
dosierte Spielform einer LNG + EE-Kombinationspille, die für die
einjährige durchgehende Einnahme in den USA zugelassen ist. Neu ist
die Einnahmedauer. Die Sicherheit entspricht der anderer Pillen. Über
Risiken kann erst einige Zeit nach Markteinführung eine fundiertere
Aussage gemacht werden, vor allem, ob die niedrigere EE- und LNG-Dosis
das kardiovaskuläre Risiko verringern.
Viel interessanter als Lybrel wären Langzeitanwendungen mit
anderen bei uns zur Verfügung stehenden Gestagenen und niedriger
dosierten (warum nicht natürlichen) Östrogenen.
Literatur
1. Peterson HB,
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5. Anderson FD, Hait H, Seasonal-301 Study Group. A multicenter
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7. FDA News, 22. Mai 2007.
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Dexrazoxan bei anthrazyklininduzierter
Kardiotoxizität
Prof.
Dr. U. R. Kleeberg
Hämatologisch-onkologische Praxis Altona,
Struenseehaus, Hamburg
Frage
Schützt Dexrazoxan vor anthrazyklininduzierter Kardiotoxizität?
Soll es regelmäßig und prophylaktisch eingesetzt werden?
Antwort
Ja, Dexrazoxan schützt vor anthrazyklininduzierter Kardiotoxizität
(AiKT). Inzwischen liegt eine Metaanalyse vor, die eine signifikante Reduktion
der AiKT belegt (1). Damit besteht der sog. Evidenzgrad IB, Voraussetzung
für den klinischen Einsatz, damit auch die obligate Kostenerstattung
durch die GKV.
Novartis
ist hoch anzurechnen, mit der Markteinführung dieser »Jahrzehnte
alten Substanz« bis zum 1.6. 2007, also so lange gewartet zu haben,
bis in mehreren prospektiven, plazebokontrollierten Phase-III-Studien
der günstige Effekt nicht nur präventiv, sondern auch nach Anthrazyklinvorbehandlung
zweifelsfrei dokumentiert worden war.
Auch fand sich
(bisher) kein Anhalt für eine negative Interaktion von Dexrazoxan
mit Anthrazyklinen und resultierender Minderung der antitumoralen Effektivität
(2). Die Verträglichkeit wird allgemein als gut beschrieben, die
Hämatotoxizität als nur begrenzt gesteigert (1, 2). Noch umstritten
ist eine mögliche Erhöhung der Inzidenz sekundärer maligner
Hämoblastosen (3, 4).
Die Wirkung
ist also belegt - damit stellt sich die Frage nach dem Nutzen.
Vorweg noch mal der Hinweis, dass die akute, vor allem aber die späte
AiKT vor allem in der adjuvanten Situation beim Mammakarzinom ein relevantes
Problem sind (5), wobei nach einem über 10 - 15-jährigen Zeitraum,
abgesehen von der Morbidität, eine Mortalität von 3 - 5 % beobachtet
wurde. Eine solche Rate, selbst wenn sie heute mit besserer Strahlentherapie
und kardiologischer Begleitung geringer sein dürfte, hebt bei bestimmten,
vor allem älteren Patienten den begrenzten Vorteil der adjuvanten
Therapie wieder auf.
Warum wird dann Dexrazoxan noch nicht "regelmäßig"
also routinemäßig eingesetzt?
Zunächst
gilt es bei jedem Patienten individuell Nutzen und Risiken einer anthrazyklinhaltigen
Zytostatikatherapie zu prüfen; dies ganz besonders in der adjuvanten
Situation. Aus der Anamnese erfahren wir eventuell vorausgegangene kardiale
Schäden, speziell Myokardiopathien, Klappenfehler, Dyslipoproteinämien
und eine vorausgegangene kardiale Belastung, etwa Strahlentherapie wegen
eines malignen Lymphoms etc.
Der internistisch-kardiologische
Status mit Bestimmung myokardialer Parameter, wie der Verkürzungsfraktion
im Echokardiogramm, dem Stressechokardiogramm oder der Radionuklidventrikulographie
(MUGA-scan) schließen klinisch inapparente Myokardiopathien aus.
Die Infusionsdauer
der Anthrazykline ist für das Ausmaß der akuten Kardiotoxizität
entscheidend, daher sollte die Infusion auf 90 Minuten gestreckt werden
(Evidenzgrad IB) (6). Schließlich ist die Wahl des Anthracyclinpräparates
relevant. Während der vormals behauptete Unterschied zwischen Epi-
und Doxorubicin hinsichtlich der Kardiotoxizität bei äquimyelotoxischer
Dosierung guter Werbung entsprang (7), ist der Einsatz liposomaler Galenik
vielversprechend (7,8).
Fazit
Die Entscheidung Dexrazoxan einzusetzen (und damit die Therapiekosten
weiter deutlich anzuheben), muss individuell erfolgen, wobei die Vermeidung
(zumindest aber die Minderung) der AiKT besonders in der Pädiatrie
und in der adjuvanten Situation führendes Argument ist und von den
erwähnten, ergänzenden präventiven Maßnahmen unterstützt
werden muss.
Literatur
1. Van Dalen EC, et al. Cardioprotective interventions for cancer
patients receiving anthracyclines. Cochrane Database Syst Rev 2005; 1:
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6. Van
Dalen EC, et al. Different dosage schedules for reducing cardiotoxicity
in cancer patients receiving anthracycline chemotherapy. Cochrane Database
Syst Rev 2006; 4: CD005008.
7. Van
Dalen EC, et al. Different anthracycline derivatives for reducing cardiotoxicity
in cancer patients. Cochrane Database Syst Rev 2006; 4: CD005006.
8. Paulides
M., Wojnowski L. Chemotherapeutikainduzierte Herzinsuffizienz. Med Klin
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